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Agentic Coding in SAP Business Application Studio (BAS)

In der Softwareentwicklung erleben wir derzeit einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel. Über viele Jahre hinweg folgte der Entwicklungsalltag einem ähnlichen Muster. Probleme wurden recherchiert, Dokumentationen durchsucht, Lösungen auf Plattformen wie beispielsweise Stack Overflow gefunden und anschliessend manuell in den eigenen Code übertragen.


Mit dem Aufkommen von AI basierten Chatbots, wie ChatGPT, änderte sich dieser Workflow erstmals spürbar. Statt selbst nach Lösungen zu suchen, konnte man gezielt Fragen stellen und den vorgeschlagenen Code adaptieren. Für kleinere Aufgaben funktionierte das gut, bei komplexeren Projekten blieb jedoch weiterhin viel manueller Aufwand bestehen, insbesondere beim Bereitstellen von Kontext.


Aktuell zeichnet sich nun die nächste Entwicklungsstufe ab. Anstelle einzelner Code Vorschläge übernehmen agentic Coding Ansätze ganze Arbeitsschritte selbstständig. AI Agenten analysieren Projekte, planen Änderungen und führen diese eigenständig aus. Von diesem Ansatz versprechen sich viele Entwickler einen deutlichen Produktivitätsgewinn, weshalb immer mehr entsprechende Werkzeuge entstehen. Von IDE Integrationen bis hin zu spezialisierten CLI Tools.

 

Agentic Coding im SAP Umfeld

Im SAP Umfeld stellt sich relativ schnell die Frage, welche Optionen dafür überhaupt zur Verfügung stehen. Mit SAP Build Code arbeitet SAP an einer eigenen AI gestützten Entwicklungsumgebung, die durch Joule unterstützt wird. Die Lösung ist bereits verfügbar und lässt sich relativ einfach nutzen, setzt jedoch ein entsprechendes Abo voraus. Zudem ist Build Code bewusst geführt und stark auf definierte Use Cases ausgerichtet, insbesondere im CAP Umfeld. Mehr dazu: https://www.purecons.com/post/sap-joule

Das hat klare Vorteile. Die Umgebung ist integriert, vorkonfiguriert und folgt den von SAP vorgesehenen Pfaden. Gleichzeitig zeigen sich aber schnell Grenzen, sobald man ausserhalb dieser Pfade arbeiten möchte.


Aus genau diesem Grund möchte ich in diesem Blog zeigen, wie sich eine eigene agentic Coding Umgebung im SAP Business Application Studio (BAS) aufbauen lässt ohne SAP Joule und dennoch nah an den SAP Frameworks.

 

Voraussetzungen

Für den beschriebenen Stack braucht es:


  • SAP Business Application Studio (BAS)

  • Einen API Key für ein LLM oder alternativ SAP AI Core

 

1. Cline als agentic Coding Assistent

Der erste Baustein ist Cline, ein Open Source basierter agentig Coding Assistent, der als Extension in BAS genutzt werden kann und von SAP offiziell unterstützt wird. Im Unterschied zu klassischen Tools agiert Cline nicht nur reaktiv, sondern kann aktiv Dateien ändern, neue Strukturen anlegen und Terminal-Befehle ausführen.



Nach der Installation wird Cline konfiguriert. Dabei lässt sich auswählen, welcher Modell Provider verwendet werden soll („Bring your own API Key“). In meinem Setup nutze ich SAP AI Core, da darüber die im SAP Generative AI Hub verfügbaren Modelle eingebunden werden können. Falls SAP AI Core nicht zur Verfügung steht, lassen sich genauso gut externe Provider über einen API Key anbinden.



Anschliessend wird das gewünschte Modell gewählt. In meinem Fall ist das Claude Sonnet 4.5, da sich dieses Modell in der Praxis als sehr stabil für agentic Coding Aufgaben erwiesen hat.



2. SAP Framework Wissen mit MCPs einbinden

Ein intelligentes Sprachmodell allein reicht jedoch nicht aus, um zuverlässig mit SAP Frameworks zu arbeiten. Zwar kommen moderne LLMs mit Programmiersprachen wie JavaScript, Python oder Java sehr gut zurecht, bei SAP spezifischen Frameworks wie SAPUI5 oder CAP zeigen sich jedoch schnell typische Probleme: Erfundene APIs, veraltete Syntax oder ungünstige Architekturvorschläge.


Hier kommt das Thema Grounding ins Spiel. Die Idee dahinter ist simpel. Wenn das Modell unsicher ist, soll es gezielt auf verlässliche Informationen zugreifen können, anstatt zu raten.

SAP stellt dafür mehrere Model Context Protocol (MCP) Server bereit, unter anderem für:



Diese MCPs ermöglichen es dem Coding Agenten, aktuelle Informationen direkt aus den jeweiligen Frameworks abzurufen. In der Praxis macht das einen grossen Unterschied. Der Agent arbeitet deutlich stabiler und orientiert sich stärker an den tatsächlichen SAP Konventionen. Die MCPs werden zunächst über npm im Terminal installiert und anschliessend in der Datei cline_mcp_settings.json registriert. Über den Configure Tab in Cline lassen sie sich je nach Bedarf aktivieren oder deaktivieren.



3. Demo - CAP App mit agentic Workflow

Nach der Einrichtung steht ein vollständiger agentic Stack mit SAP Framework Wissen zur Verfügung. Als einfache Demo bietet sich zum Beispiel eine CAP Travel App an. Der Ablauf ist dabei typisch für Agent-basiertes Arbeiten:


  • Zunächst wird gemeinsam mit Cline ein Plan für die Anwendung erstellt

  • Vorgenannter Plan lässt sich iterativ anpassen, bis Struktur und Umfang passen

  • Anschliessend wird Cline angewiesen, den Plan auszuführen und dabei die relevanten MCPs zu nutzen



Innerhalb weniger Minuten entsteht so eine lauffähige CAP Anwendung. Im Chat Verlauf ist transparent nachvollziehbar, welche MCP Tools verwendet wurden und welche Informationen aus den SAP Frameworks eingeflossen sind. Auf dieser Basis lassen sich anschliessend weitere Features ergänzen oder bestehende Teile gezielt anpassen.



Der beschriebene Ablauf ist dabei nur ein mögliches Beispiel. In der Praxis lassen sich mit diesem Setup auch andere Stacks wie SAPUI5 nutzen oder bestehende Projekte analysieren, überarbeiten und gezielt erweitern.

 

Fazit

Wenn du BAS nutzt und ohne Joule AI gestützt entwickeln willst, ist dieser Stack für viele Entwickler der Sweet Spot.


  • Cline ermöglicht agentic Coding

  • SAP AI Core oder ein API Key sorgen für Flexibilität bei der Wahl des Modells

  • SAP MCPs für UI5, Fiori und CAP stellen sicher, dass der Agent mit aktuellem SAP Wissen arbeitet


Damit lassen sich CAP Services sowie UI5 und Fiori Apps spürbar schneller aufsetzen, erweitern und überarbeiten, ohne typische AI Halluzinationen und ohne komplett neue Entwicklungswerkzeuge einführen zu müssen.


 
 
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